Spielsucht erkennen: Anzeichen, Ursachen und erste Schritte zur Hilfe
Spielsucht erkennen: Anzeichen, Ursachen und erste Schritte zur Hilfe
Spielsucht – in der Fachsprache als Glücksspielstörung oder pathologisches Glücksspielen bezeichnet – ist eine anerkannte psychische Erkrankung. Die Weltgesundheitsorganisation hat sie in der aktuellen Fassung des Internationalen Klassifikationssystems für Krankheiten (ICD-11) als Störung durch Glücksspielen aufgeführt.
Das Erkennen einer Spielsucht – ob bei sich selbst oder bei einem nahestehenden Menschen – ist der erste Schritt zu einer Veränderung. Dieser Artikel beschreibt, welche Anzeichen auf eine Spielsucht hinweisen können, wie Spielsucht von normalem Freizeitspiel abzugrenzen ist und welche ersten Schritte möglich sind.
Dieser Artikel ist keine Diagnose und ersetzt keine professionelle Beratung.
Was ist Spielsucht?
Spielsucht ist ein Kontrollverlust über das eigene Spielverhalten, der zu negativen Konsequenzen führt – finanziell, sozial, beruflich oder psychisch. Das charakteristische Merkmal: Betroffene können das Spielen nicht aufhören, obwohl sie die negativen Folgen erkennen.
Spielsucht ist keine Frage der Willenskraft. Sie hat neurobiologische Grundlagen: Glücksspiel aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn auf ähnliche Weise wie andere Suchtauslöser. Wiederholtes Spielen kann zu Toleranzeffekten führen – das Bedürfnis nach höheren Einsätzen oder aufregenderem Spielen steigt.
Laut BZgA gibt es in Deutschland eine relevante Zahl von Menschen mit problematischem oder pathologischem Spielverhalten. Genaue Erhebungen werden regelmäßig aktualisiert und auf der BZgA-Website veröffentlicht.
Anzeichen, die auf eine Spielsucht hinweisen können
Die folgenden Verhaltensweisen sind keine Diagnosekriterien im klinischen Sinne, können aber auf eine problematische Entwicklung hinweisen.
Gedankliche Einnahme: Häufiges Denken ans Spielen auch außerhalb der Spielsituationen. Planen der nächsten Spielsession im Alltag.
Steigerungstendenz: Das Bedürfnis, immer höhere Beträge einzusetzen oder häufiger zu spielen, um dieselbe Spannung zu erleben.
Erfolgloser Kontrollversuch: Mehrfache, gescheiterte Versuche, das Spielen einzuschränken oder zu beenden.
Spielen als Bewältigungsstrategie: Spielen, um Stress, Angst oder Niedergeschlagenheit zu bewältigen oder zu verdrängen.
Jagd nach Verlusten: Versuche, Verluste durch weiteres Spielen wieder hereinzuholen – im Fachjargon als Chasing bezeichnet.
Lügen über das Spielverhalten: Verschweigen oder Verharmlosen des Spielens gegenüber Partnern, Familie oder Freunden.
Finanzielle Konsequenzen: Schulden, Leihen von Geld oder Verkauf von Besitz zur Finanzierung des Spielens.
Vernachlässigung von Verpflichtungen: Arbeit, Familie oder soziale Aktivitäten treten hinter das Spielen zurück.
Je mehr dieser Merkmale zutreffen und je häufiger sie auftreten, desto wahrscheinlicher ist ein problematisches oder suchtartiges Spielverhalten.
Spielsucht versus normales Spielen
Der Unterschied zwischen Freizeitspiel und Spielsucht liegt nicht im Spielen an sich, sondern im Kontrollverlust und den Konsequenzen. Jemand, der gelegentlich spielt, feste Budgets einhält und das Spielen jederzeit ohne Probleme beenden kann, hat typischerweise kein Suchtproblem.
Problematisch wird es, wenn das Spielen mehr Zeit und Geld in Anspruch nimmt als geplant, Versuche, aufzuhören, wiederholt scheitern, oder negative Konsequenzen auftreten, das Spielen aber trotzdem fortgesetzt wird.
Wer ist gefährdet?
Forschungsergebnisse zeigen, dass bestimmte Faktoren das Risiko einer Spielsucht erhöhen können: frühes Einstiegsalter, andere Suchterkrankungen oder psychische Erkrankungen, Impulsivität als Persönlichkeitsmerkmal, negative Lebensereignisse oder chronischer Stress sowie ein soziales Umfeld mit häufigem Glücksspiel.
Diese Faktoren erhöhen das Risiko, bedeuten aber keine Zwangsläufigkeit.
Erste Schritte bei Verdacht auf Spielsucht
Informationsangebote nutzen: Die BZgA bietet unter check-dein-spiel.de einen kostenlosen Online-Selbsttest sowie telefonische Beratung an.
Mit jemandem sprechen: Ein erstes Gespräch – mit einer Vertrauensperson oder einer professionellen Beratungsstelle – kann eine erhebliche Entlastung bringen.
Spielpause einlegen: Eine freiwillige Spielpause oder die Aktivierung von Spielerschutzfunktionen bei lizenzierten Anbietern kann unmittelbar helfen.
OASIS-Selbstsperre beantragen: Wer das Spielen vollständig beenden möchte, kann sich über OASIS bei allen lizenzierten Anbietern gleichzeitig sperren lassen.
Professionelle Beratung aufsuchen: Suchtberatungsstellen von Caritas, Diakonie und kommunalen Trägern bieten kostenlose, auf Wunsch anonyme Beratung an.
Anlaufstellen (Kurzübersicht)
- BZgA-Telefonberatung: 0800 1 372 700 (kostenlos, täglich 0–24 Uhr)
- Online-Selbsttest und Chat: check-dein-spiel.de
- Caritas Suchtberatung: caritas.de
- Diakonie Suchtberatung: diakonie.de
FAQ
Was sind häufige Anzeichen einer Spielsucht? Kontrollverlust, das Jagen nach Verlusten, Lügen über das Spielverhalten, Vernachlässigung sozialer Verpflichtungen und finanzielle Probleme durch das Spielen sind häufige Warnsignale.
Ist Spielsucht heilbar? Spielsucht ist behandelbar. Mit professioneller Unterstützung haben viele Betroffene ihr Spielverhalten dauerhaft verändert.
Wo bekomme ich kostenlos Hilfe? Die BZgA bietet unter 0800 1 372 700 eine kostenlose, anonyme Telefonberatung an. Suchtberatungsstellen sind ebenfalls kostenlos und anonym erreichbar.
Kann ich mich selbst für Online-Casinos sperren? Ja. Über das OASIS-System können Sie sich bei allen lizenzierten Online-Casinos in Deutschland gleichzeitig sperren lassen. Die Mindestdauer beträgt ein Jahr.
Was ist der Unterschied zwischen problematischem Spielen und Spielsucht? Der Übergang ist fließend. Problematisches Spielen liegt vor, wenn negative Konsequenzen entstehen, aber die Kontrolle noch nicht vollständig verloren ist. Spielsucht ist eine klinisch definierte Erkrankung mit Kontrollverlust als Kernmerkmal.
